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Messfehler?

AGF misst im Dezember 2009 Rückgang der Digitalhaushalte

Über die Höhe des Digitalisierungsgrades deutscher TV-Haushalte gehen die Zahlen merklich auseinander. Der Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten spricht von 55 Prozent digitaler Fernsehhaushalte, der Convergence Monitor hingegen kommt nur auf einen Digitalisierungsgrad von 41,7 Prozent. Beide Studien stammen aus dem Sommer 2009. Zum Stichtag 1. Juli 2009 errechnet die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) sogar nur 37,1 Prozent.
Die AGF-Messung machte Ende letzten Jahres auf sich aufmerksam, als zum ersten Mal seit Beginn der Messung der Digitalisierungsgrad sank (DIGITAL INSIDER berichtete). Ein Umstand, den sich niemand richtig erklären konnte. „Angesichts der Tatsache, dass sowohl bei digitalen Set-Top-Boxen als auch bei TV-Geräten mit integriertem digitalen Empfänger trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr hohe Absatz und Umsatzzahlen verzeichnet werden, ist dieser Rückgang tatsächlich nur schwer nachzuvollziehen“, rätselte auch Herbert Strobel, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Satellit & Kabel, über diese Verminderung. Lediglich der Absatz von DVB-T-Receivern sei laut Strobel gesunken.

Neue Technik

Auf Anfrage von DIGITAL INSIDER klärt sich dieser Rückgang jedoch auf: „Der Grund für die Dezember-Ergebnisse liegt in der Abschlussphase der Umrüstung von Panelhaushalten auf die neue Messtechnik TC Score“, erklärt Bernhard Engel von der ZDF-Medienforschung. Seit dem 1. Mai werden die Panelhaushalte nach und nach auf die neue Technik umgestellt. Das geschieht in einem rollierenden Verfahren, in dem während der Neuinstallation die betroffenen Haushalte für wenige Tage aus der Berichterstattung genommen wurden, ohne dabei aber die Repräsentativität zu schmälern oder die notwendige Panelmasse zu unterschreiten.
„Dass dieser Sachverhalt eine sichtbare Auswirkung auf den Digitalisierungsgrad haben würde, war ex ante nicht absehbar und unerwartet“, so Engel. Am Verfahren der Datenerhebung sowie an der Methode hat es keinerlei Änderungen gegeben. „Das Panel ist also auch für jeden Tag des vierten Quartals 2009 valide“, erläutert der ZDF-Medienforscher.

Keine Vorgaben

Dass es trotzdem sehr unterschiedliche Angaben zum Digitalisierungsgrad in Deutschland gibt, liegt an fehlenden statistischen Grundlagen. Die AGF erhält von den Panelhaushalten täglich Daten zur Auswertung. Die meisten anderen Marktstudien beruhen auf längeren Reporting-Intervallen. „Gerade in einem täglich reportenden Panel ist es dagegen zwingend erforderlich, die Daten dem Markt nach konstanten Regeln zur Verfügung zu stellen“, erklärt Engel.
Ein wesentlicher Baustein dieser Regeln ist die Gewichtung nach demografischen Merkmalen und den Empfangsebenen. Die Vorgaben liefern das Statistische Bundesamt sowie die Media Analyse. „Für den Digitalisierungsgrad liegen bisher keine vergleichbar zuverlässigen Außenvorgaben vor“, erklärt Engel auf die Frage, warum der Digitalisierungsgrad in Studien unterschiedlich hoch ausfalle.
Inzwischen hat sich die AGF-Messung vom „Tiefschlag“ im Dezember wieder erholt. ZVEI-Fachverbandsvorsitzender Strobel glaubte ohnehin nicht an einen Rückgang. „Vielmehr sehen wir den Digitalisierungsprozess, getrieben durch HDTV, im deutschsprachigen Raum in vollem Gange“, sagte er auf DI-Anfrage. Schreck lass nach.

mh
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