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16.07.10
Sky: "Manchmal zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen"

[cg]
Unterföhring/Leipzig - Vor gut einem Jahr wurde Premiere in Sky umbenannt. Im Interview mit DIGITAL FERNSEHEN blickt Hans-Jürgen Croissant, Senior Vice President Communications, auf die vergangenen zwölf Monate und in die Zukunft des Bezahlsenders.

DIGITAL FERNSEHEN: Herr Croissant, welches Fazit ziehen Sie nach einem Jahr Sky Deutschland? Wie hat sich die Marke Sky entwickelt?

Hans-Jürgen Croissant: Die Entscheidung, unser komplett überarbeitetes TV-Angebot im Kontext einer neuen Marke zu launchen, war absolut richtig. Sowohl von unseren Bestandskunden als auch von den neuen Abonnenten haben wir überwiegend sehr positive Rückmeldungen erhalten. Die Investitionen in die Marke Sky haben sich schnell und deutlich bemerkbar gemacht: So erreichte unsere Markenbekanntheit weniger als ein halbes Jahr nach dem Start von Sky bereits mehr als 70 Prozent.

DF: Im Nachhinein ist man bekanntlich klüger, was hätte man beim Wechsel auf Sky aus heutiger Sicht besser machen können?

Croissant: Mir ist schon wichtig zu betonen, dass wir sehr vieles gut und richtig gemacht haben. Das gesamte Team in Deutschland und Österreich hat einen überragenden Job gemacht, deswegen ziehe ich eine positive Gesamtbilanz. Dennoch haben wir uns an der einen oder anderen Stelle zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen. Insbesondere der Zeitplan für die Einführung des neuen IT-Systems in der Kundenverwaltung war zu ehrgeizig. Dadurch konnten wir in der Startphase nicht immer so schnell auf Kundenanfragen reagieren, wie wir es uns gewünscht haben. Inzwischen sind diese Probleme allerdings behoben.
 
Dr. Hans-Jürgen Croissant
Bild: Sky Deutschland
DF: Wie viele Abonnenten zählt Sky Deutschland derzeit? Gab es einen Schub durch die Fußball-WM?

Croissant: Zum Ende des ersten Quartals 2010 hatte Sky 2,471 Millionen Abonnenten. Aktuelle Zahlen für das zweite Quartal stellen wir am 13. August im Rahmen der Veröffentlichung unserer Halbjahresberichts vor. Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgte insbesondere beim Thema HD für einen erfreulichen Schub.

DF: Mit Arena Sat stellt einer Ihrer Mitbewerber demnächst den Sendebetrieb ein. Wie hoch sehen Sie das Potenzial der Kunden, die zu Ihnen wechseln werden?

Croissant: Wir spekulieren über diese Frage nicht.

DF: Auf Arena Sat gibt es auch einige Pay-TV-Programme, die bisher noch nicht bei Sky im Angebot sind. Gibt es eine Chance, dass diese Sender bald bei Sky auftauchen?

Croissant: Unsere ungeteilte Aufmerksamkeit gilt derzeit unseren drei neuen HD-Sendern - Sky Sport HD 2, Sky Cinema Hits HD und Sky Action HD -, die bekanntlich am 13. August starten.

DF: Bei der Pressekonferenz zu den Zahlen für das erste Quartal sagte Brian Sullivan, man habe mit Sky Deutschland "Einiges erreicht, aber es gibt noch Vieles zu tun" - welche Themen stehen in den nächsten Monaten im Fokus dieser "Bauarbeiten"?

Croissant: Wir werden uns mit aller Kraft auf den weiteren Ausbau unserer Kundenbasis konzentrieren. Dazu bereiten wir eine Reihe von innovativen Vertriebs- und Marketingmaßnahmen vor, unter anderem zum Start der kommenden Bundesliga Saison am 20. August. Ein große Rolle spielt insbesondere der weitere Ausbau unseres HD-Angebots: Mit zehn Sendern im hochauflösenden Standard ab 13. August verfügen wir über das mit Abstand breiteste HD-Angebot im deutschen Fernsehen. Zum Start der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft haben wir außerdem unsere Sky Sport App für das iPad gelauncht, ein Produkt, das sehr positiv aufgenommen und bereits rege genutzt wird. Wir wollen auch in Zukunft weitere mobile Dienste und andere Innovationen in den Markt bringen, die unser besonderes Fernsehangebot für unsere Abonnenten jederzeit und überall verfügbar machen. In diesen Kontext gehört auch Sky Plus, der erste voll integrierte HD-Festplattenreceiver/-rekorder von Sky, durch den unsere Kunden nie wieder ihr Lieblingsprogramm verpassen. In einer Satellitenversion haben wir das Produkt vor einigen Wochen auf den Markt gebracht, eine Kabelversion wird voraussichtlich noch in diesem Jahr folgen.

DF: Ebenso kündigte Sullivan im April in einem Zeitungsinterview an, dass Sky ab 2011 Gewinn machen soll - bleibt es angesichts der Q1-Bilanz bei diesem Zeitplan?

Croissant: Für das Gesamtjahr 2010 erwartet Sky weiterhin ein negatives EBITDA. Mit der Umsetzung unseres neuen Geschäftsmodells befinden wir uns noch in einem frühen Stadium. Weiterhin müssen vor allem auch die starke Saisonalität unseres Geschäfts sowie die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit berücksichtigt werden.

DF: In Italien senkt Sky jetzt kräftig die Preise, um sich im Wettbewerb behaupten zu können. Wäre eine solche Preissenkung in Deutschland auch denkbar?

Croissant: Derzeit sind keine Änderungen unserer Preise geplant. Um einen Vergleich zu ziehen: Ab 60 Cent pro Tag kommen unsere Abonnenten in den Genuss von Sky - das ist weniger als eine Tasse Kaffee pro Tag. Und das komplette Angebot von Sky gibt es für 59,90 Euro - günstiger als ein Restaurantbesuch mit der Familie. Das ist bereits ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sky ist und bleibt ein Premium-Produkt mit einer Preis- und Angebotsstruktur, die ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bietet und die von unseren Kunden auch sehr gut angenommen wird. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir sowohl im Neu- als auch Bestandskundenbereich Promotion-Aktionen durchführen, um unseren Zuschauern die Möglichkeit zu geben, das gesamte Sky-Programm zu erleben. Wir sind sicher, dass dies der richtige Weg ist, um Neukunden über einen begrenzten Zeitraum hinweg das gesamte Sky Angebot, einschließlich unseres hervorragenden HD-Services, zu präsentieren. So können wir unsere Zuschauer auf positive Art und Weise von unserem umfangreichen Gesamtangebot überzeugen.

DF: Vielen Dank für das Gespräch.
 
 

Das Interview gibt die Meinung des Interviewpartners wieder. Diese muss nicht der Meinung des Verlages entsprechen. Für die Aussagen des Interviewpartners wird keine Haftung übernommen.


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